Judith Hermann
„Unverhoffte Verwurzelung“
Judith Hermann
Judith Hermann wurde 1970 in Berlin geboren. Mit ihrem Debüt „Sommerhaus, später“ (1998) wurde sie weltweit bekannt. Es folgten ihr zweiter Erzählband „Nichts als Gespenster“, der erste Roman, „Aller Liebe Anfang,“ die Erzählungen „Lettipark“ und 2021 der Roman „Daheim“ für den sie mit dem Bremer Literaturpreis 2022 ausgezeichnet wurde. Zuletzt erschien 2023 das persönlichste Buch von ihr: „Wir hätten uns alles gesagt“. Für ihr Werk wurde Judith Hermann u.a. mit dem Kleist-Preis und dem Friedrich-Hölderlin-Preis ausgezeichnet. Ihre Werke sind in zahlreiche Sprachen übersetzt worden. In der türkischen Sprache zu lesen sind: „Sommerhaus, später,“ „Nichts als Gespenster“ und der Roman „Daheim.“ Das jüngste Buch „Wir hätten uns alles gesagt“ wird gerade von ihrer Istanbuler Verlegerin und Übersetzerin İlknur Özdemir übersetzt.
Daheim
Wir treffen uns mit Judith Hermann nach 18 Jahren wieder in Berlin. Denn als der weltweit gefeierte erste Erzählungsband von ihr „Sommerhaus, später“ ins Türkische übersetzt wurde, hatten wir uns in Berlin Mitte getroffen und über das Buch gesprochen. Unser Gespräch wurde 2006 in der Istanbuler Zeitschrift Kitap-lık veröffentlicht und ist immer noch online zu lesen. Wenn ich heute dieses Buch mit einem Satz beschreiben wollte, würde ich sagen: es wird erzählt von jungen Menschen und ihrer Suche nach Leben in der Wendezeit in Berlin. Die Figuren in dem zuletzt ins Türkische übersetzten und hochgelobten Roman „Daheim“ habe ich auch fast als die Fortsetzung von „Sommerhaus, später” gelesen. Sind Figuren wie die Künstlerin Mimi, aber besonders die Ich-Erzählerin selbst, mit ihrer Suche nach einer Bleibe, vielleicht die Figuren aus diesen Erzählungen von damals, jetzt 30 Jahre älter?